Peter Thomas

Peter Thomas (* 1. Dezember 1925 in Breslau) ist ein deutscher Filmkomponist, Dirigent und Arrangeur.

 

Leben und Werk

 

Jugend

 

Während seiner Kindheit sind die Eltern nach Berlin gezogen, wo Peter Thomas aufwuchs und bereits im Vorschulalter Klavierunterricht erhielt. Später war er Organist in der Erlöserkirche in Berlin-Moabit. 1945 kehrte Thomas nach Jahren als Soldat und Kriegsgefangener nach Berlin zurück. Als Pianist tritt er in Clubs aller vier Sektoren der Stadt auf. Durch den unterschiedlichen Musikgeschmack von Russen, Amerikanern, Briten und Franzosen hat sich diese Zeit für Thomas als besonders lehrreich erwiesen.

 

Studium und Arbeit als Arrangeur

 

1949 nahm Peter Thomas seine vor dem Krieg begonnenen Studien wieder auf. Er lernte am Mohr'schen Konservatorium und bei Hans Felix Husadel. 1953 machte Thomas seinen Abschluss in den Fächern Dirigieren, Tonsatz, Kontrapunkt und Blasmusik. Das klassische Musikstudium und die aktuellen Hits der amerikanischen Orchester, die Thomas beim Hören des Soldatensenders AFN kennenlernen konnte, haben ihn schon früh zu einem eigenen Stil inspiriert.

 

Nach seinem Studium arbeitete Thomas als Arrangeur beim RIAS, wo er vor allem Bearbeitungen für Hans Carste schrieb. Beim Nordwestdeutschen Rundfunk war er musikalischer Betreuer der wöchentlichen Radiosendung Berliner Feuilleton. Arrangements für Werner Eisbrenner waren Thomas' erste Arbeiten für den Film.

 

Arbeit als Komponist

 

Durch Vermittlung des Reporters Jürgen Neven-Dumont kam Thomas 1958 zum Fernsehen, wobei seine Soundtracks zu der Serie Am grünen Strand der Spree (1960) und dem Durbridge-Mehrteiler Es ist soweit (1960) zu seinen bekanntesten frühen Arbeiten zählen. Nicht vergessen ist auch die zweiteilige Kinderfernsehreihe Wenn einer eine Reise tut, von der eine Folge live von der Funkausstellung 1958 in Frankfurt am Main übertragen wurde. Nach erst wenigen Arbeiten engagierte ihn Will Tremper 1960/61 als Komponisten für sein Regiedebüt Flucht nach Berlin. Am 25. Juni 1961 erhielt Thomas für dieses Werk das Filmband in Gold in der Kategorie beste Filmmusik. Die gleiche Auszeichnung erhielt er zwei Jahre später für den ebenfalls von Tremper inszenierten Film Die endlose Nacht (1963).

 

Der Soundtrack für den Edgar-Wallace-Film Die seltsame Gräfin (1961) bedeutete für Peter Thomas den bis dahin größten Karriereschub. Als Stammkomponist schrieb er bis 1971 für insgesamt 18 Beiträge der populären Kinoserie die Filmmusik. Auch durch seine Musik zu den Filmen Die weiße Spinne, Ein Alibi zerbricht (beide 1963), Das Wirtshaus von Dartmoor (1964) und zu der achtteiligen Jerry-Cotton-Filmreihe (1965 bis 1969) avancierte Thomas zu Deutschlands führendem Komponisten für Kriminalfilme. In dieser Zeit komponierte er auch die Erkennungsfanfare der Constantin-Film.

 

Außerdem entstanden für das Fernsehen die Soundtracks für die Durbridge-Mehrteiler Die Schlüssel (1965) und Melissa (1966). Der aus Letzterem stammende, gleichnamige Musiktitel erschien auf Single und erreichte am 12. Februar 1966 Platz 4 der deutschen Charts, in denen er 12 Wochen vertreten war. Peter Thomas nahm den Titel mit der Harald Banter Media Band auf. Der Bert Kaempfert-Trompeter Charly Tabor (Wunderland bei Nacht) fungierte für diese Aufnahme ein einziges Mal als Bassgitarrist. Das Thema war im Dreiteiler lediglich als Hintergrundmusik zu hören und wurde im Film von einer Odeon-Single abgespielt. Tatsächlich erfolgte die Single-Veröffentlichung in einer Neueinspielung bei CBS. Franz Löffler wirkte nunmehr als Bassgitarrist mit. Das eigentliche Titel- und Schlussthema von Melissa war identisch mit der Titelmusik von Die Schlüssel, die bereits 1965 als Single erschien.

 

Daneben bot das deutsche Kino der 1960er Jahre Peter Thomas die Gelegenheit, für Filme aller Genres zu arbeiten. Er vertonte die Western Der letzte Mohikaner (1965) und Winnetou und sein Freund Old Firehand (1966) ebenso wie die Großproduktion Onkel Toms Hütte (1965). Thomas schrieb Soundtracks zu Komödien wie Zum Teufel mit der Penne (1968) oder Die Herren mit der weißen Weste (1970) und dem Horrorfilm Die Schlangengrube und das Pendel (1967). Zu seinen Arbeiten zählt ebenso die Musik zu dem Film Erinnerungen an die Zukunft (1970), der ein Jahr später in der Kategorie bester Dokumentarfilm für den Oscar nominiert wurde.

 

Sein größter Erfolg wurde die Musik zur Science-Fiction-Fernsehserie Raumpatrouille (1966), für die Thomas eine Mischung aus Beatmusik, Jazz, Klassischer Musik und Zwölftonmusik kreiert hat. Auch sein bereits bei anderen Filmen eingesetzter elektronischer Sound hatte bei dieser Arbeit eine besondere Bedeutung. So benutzte er, um entsprechende Klangeffekte zu erzielen, unter anderem einen Vocoder aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch das gemeinsam mit dem Toningenieur Hansjörg Wicha entworfene Thowiphon, das Thomas noch bei vielen Klangexperimenten einsetzen sollte, kam ab Mitte der 1960er Jahre zum Einsatz. Außerdem schrieb Thomas die Musik zu den Straßenfegern Babeck (1968) und 11 Uhr 20 (1970).

 

Peter Thomas arbeitete auch in den 1970er Jahren erfolgreich für das Fernsehen, wo er regelmäßig für Episoden der Serien Der Kommissar (ab 1969), Derrick (ab 1974) und Der Alte (ab 1977) komponierte. Der von Thomas komponierte und von Daisy Door gesungene Titel Du lebst in deiner Welt (Highlights of my Dreams) aus der Kommissar-Folge Als die Blumen Trauer trugen (1971) wurde innerhalb von drei Monaten mehr als 500.000-mal verkauft und stand Anfang 1972 vier Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts. Zu Thomas' bekanntesten Fernseharbeiten gehören auch die Soundtracks zu den Serien Der Kurier der Kaiserin (1970), Café Wernicke und Mein Freund Winnetou (beide 1980). Auch das Intro der ab 1974 ausgestrahlten Quizsendung Der große Preis und des von 1980 bis 1990 erfolgreichen WWF Club stammten von Thomas.

 

Für das Kino, das ab den 1970er Jahren kommerziell zunehmend an Bedeutung verlor, komponierte Thomas unter anderem die Musik zu einigen Erotikfilmen, der Simmel-Verfilmung Der Stoff, aus dem die Träume sind, der europäischen Fassung von Bruce Lee – Die Todesfaust des Cheng Li (1971/73) und dem Kriegsfilm Steiner – Das Eiserne Kreuz, Teil 2 (1979). Seine bisher letzte Arbeit für die Leinwand war die Filmmusik zu der Komödie Tach Herr Dokter - Der Heinz Becker Film (1999) des Kabarettisten Gerd Dudenhöffer. Peter Thomas komponierte bis heute die Musik von etwa 80 Spielfilmen und von über 600 Fernsehfilmen- und episoden.

 

Zwischen seinen Film- und Fernseharbeiten fand Peter Thomas immer wieder Gelegenheit, sich anderen musikalischen Aufgaben zu widmen. Er schuf mehrere Musikalben sowie Einspielungen für Musikverlage und für die Werbung. Dabei kamen seine experimentellen Arrangements ebenso zum Einsatz wie für diverse Musicals und Hörspiele. Peter Thomas arbeitete im Lauf seiner Karriere mit namhaften Instrumentalisten wie Charly Tabor, Klaus Doldinger, Michael Goltz, Jan Hammer, Ingfried Hoffmann, Olaf Kübler, Albert Mangelsdorff, Lothar Meid, Wolfgang Paap, Sigi Schwab, Peter Trunk und Otto Weiss zusammen. Daneben war er verantwortlich für Aufnahmen von so unterschiedlichen Gesangsinterpreten wie Senta Berger, Heinz Erhardt, Marie France, Juliette Gréco, Hana Hegerová, Harald Juhnke, Eartha Kitt, Zarah Leander, Lill Lindfors, Julia Migenes, Esther & Abi Ofarim, Sandie Shaw, Donna Summer, Vico Torriani und Nina Westen.

 

Für viele Künstler im In- und Ausland ist die Musik von Peter Thomas heutzutage Kult. So verwandte die britische Band Pulp 1998 bei ihrem Song This is Hardcore ein Sample des Titels Bolero on the Moon Rocks aus dem Soundtrack der Serie Raumpatrouille. Weitere Musiker, die mit Peter Thomas oder dessen Aufnahmen arbeiteten, waren unter anderem Xaver Fischer, The High Llamas, Saint Etienne, Stereolab, Yoshinori Sunahara und Ramon Zenker. Im Regiedebüt des Schauspielers George Clooney, Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind (2002), sind vier von Thomas für die Edgar-Wallace-Serie aufgenommene Titel zu hören.

 

Privates

 

Peter Thomas, der heute abwechselnd in Lugano und St. Tropez lebt, ist seit 1959 mit der Journalistin Cordula Thomas, geb. Ritter, verheiratet. Unter dem Pseudonym Cordy Francropolus verfasste sie viele Liedtexte zu den Melodien ihres Mannes. Der gemeinsame Sohn Philip arbeitet als Jurist in Zürich.

 

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