Joe Venuti

Giuseppe „Joe" Venuti (* 16. September 1903 in Philadelphia, Pennsylvania; † 14. August 1978 in Seattle, Washington) war ein amerikanischer Jazzmusiker und Violinist.


Biografie

 

Das Geburtsdatum und auch der Geburtsort sind nicht gesichert, Venuti selbst behauptete sehr lange, er sei am 1. September 1904 auf einem Schiff bei der Überfahrt seiner Eltern von Italien in die USA geboren worden. Die Vermutung, dass er damit am Anfang seiner Karriere seine europäische Herkunft verschleiern wollte, liegt allerdings nahe. Erst in höherem Alter hat er seine italienische Abstammung nicht mehr geleugnet. Carlo Bohländer gibt in seinem Jazzführer an, dass Venuti ihm versichert habe, weder auf besagter Überfahrt in die USA noch (am 4. April 1898 oder am 19. März 1894) in Lecco am Comer See geboren worden zu sein, sondern in Philadelphia als Sohn italienischer Einwanderer, wofür auch eine Geburtsurkunde existieren würde.

 

Er trat 1923 sein erstes Engagement gemeinsam mit dem Gitarristen Eddie Lang an. Mit der für die damalige Instrumentierung sehr ungewöhnlichen Besetzung im Duo mit Gitarre war Venuti sehr erfolgreich; 1926 nahmen Lang und er im Duett zentrale Dokumente des frühen Jazz auf (spätere LP "Stringing The Blues"). Es ist als sein Verdienst zu sehen, dass sich die Geige als Jazzinstrument im Chicago Jazz etabliert hat. Nach ersten Engagements bei Red Nichols und Jean Goldkette spielte er ab 1927 bei Paul Whiteman. In Folge arbeitete er mit Frank Trumbauer, Benny Goodman, Jack Teagarden, Tommy Dorsey, Jimmy Dorsey, den Boswell Sisters, Roger Wolfe Kahn und den meisten wichtigen weißen Jazzmusikern der späten 1920ern und frühen 1930ern. Nach einem erfolgreichen Gastspiel 1934 in England war er zwei Jahrzehnte lang mit eigener Band (unter anderem mit Herb Geller) auf Tournee, trat danach mit kleinen Besetzungen in den Clubs von Los Angeles, Las Vegas und Seattle auf. 1968 war er mit großem Erfolg auf dem Newport Jazz Festival zu hören.

 

Venuti entwickelte eine neue Technik, um alle vier Saiten der Violine gleichzeitig spielen zu können. Bei der sogenannten Loose-Bow-Fiddle-Technik löste er die Halterung vom Frosch des Bogens und legte das Bogenhaar über die vier Saiten und führte den Bogenstab unter dem Instrument durch. Die Geige an sich war damit zwischen Bogenhaar und Bogenstab eingeklemmt, was das Erzeugen von bis zu vierstimmigen Klängen ermöglichte. Das 1927 von Venuti und Lang komponierte Stück Four String Joe bezieht sich auf diese Spieltechnik.

 

Er war der erste Jazzmusiker, der dem Jazz einen kammermusikalischen Charakter gegeben hat. Er hat entscheidend zur Entwicklung der Smallbands (Combos) beigetragen, die im Bebop eine große Rolle spielen. Sein Geigenspiel kann man als klarinettenartig bezeichnen. Er hatte eine kraftvolle Spielweise, bevorzugte höhere Register, pentatonische Läufe, benutzte Blues-Effekte.

 

Seine Artikulation ist geräuschfrei mit glattem, ungestörtem Ton in verschiedenen liegenden Stricharten, ohne die Spur eines Tonansatzes, der an den Ton, besonders der Blechblasinstrumente erinnern würde. Die Nähe zur europäischen Kunstmusik, die klassische Schulung ist hier noch erkennbar. Allerdings finden wir in seinem Spiel eine Reihe von Jazzmerkmalen, wie z. B. Blue Notes, Akzentverschiebungen (die häufig gebrauchte Dreierverschiebung über Vierergruppen, die auch unter dem Namen „secondary rag" aus dem Ragtime stammend bekannt ist, die ternäre Phrasierung und natürlich die Improvisation als solche, machen seinen Stil eindeutig zum Jazz. Jazzstilistisch gesehen sind seine frühen Aufnahmen noch dem Chicago-Stil zuzurechnen, während spätere Aufnahmen Elemente des Swing enthalten.

 

...aus Wikipedia