Joe Henderson

Joe Henderson (* 24. April 1937 in Lima, Ohio; † 30. Juni 2001 in San Francisco, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Jazz-Musiker (Tenorsaxophonist).


Leben und Wirken

 

Joe Henderson wuchs als eines von fünfzehn Kindern in ärmlichen Verhältnissen auf. Der erste Kontakt zur Musik fand sich nach seinen eigenen Worten in den "Jazz at the Philharmonic"-Platten eines seiner Brüder. Nachdem ihm gelungen war, den Vater zum Kauf eines Saxophons zu überreden, gab die Musik Lester Youngs die ersten Stücke zur Übung; weitere frühe Vorbilder waren Charlie Parker, Dexter Gordon und Stan Getz.

In der Highschool-Zeit schrieb Henderson erste Stücke für die Schulband, studierte dann Musik am Kentucky State College und der Wayne University in Detroit; er leistete dann von 1960 bis 1962 seinen Militärdienst ab, wo er Mitglied einer Army-Band in Fort Benning (Georgia) war. Bei einer Talentshow der Army gewann er mit einer Vier-Mann-Band den ersten Platz und tourte weltweit mit einer Truppenunterhaltungsband. Dabei kam es in Paris zu einer Session mit Kenny Clarke und Kenny Drew.

Nach seiner Entlassung aus der Army arbeitete er, von dem Trompeter Kenny Dorham im Spätsommer 1962 nach New York geholt, mit Jack McDuff und Kenny Dorham zusammen. 1963 nahm ihn das Label Blue Note unter Vertrag. Hier entstand im April das Album Una Mas (unter dem Namen von Kenny Dorham); Blue Note veröffentlichte aber zuerst das im Juni aufgenommene Album Page One, das das erste Album Hendersons unter eigenem Namen war. Es wurde zu den erfolgreichsten des Labels und gehört inzwischen zu den klassischen Alben dieser Ära. Insgesamt nahm das Dorham/Henderson-Quintett fünf Alben auf, mit einer Rhythmusgruppe aus McCoy Tyner[2] bzw. Herbie Hancock, Butch Warren und Pete LaRoca bzw. Tony Williams.

In den folgenden Jahren wirkte er als Sideman bei zahlreichen Alben, u.a. von Horace Silver (mit einem Solo auf "Song for My Father"), Grant Green (Idle Moments, 1963) Kenny Dorham, auf Andrew Hills legendärem Point of Departure im März 1964, sowie bei Blue Mitchell, Woody Shaw und anderen mit; in dieser Zeit brachte er auch eigene Veröffentlichungen heraus. Henderson spielte nun an der Seite von Herbie Hancock, Andrew Hill und kurzzeitig auch Miles Davis 1967 und der Gruppe Blood, Sweat & Tears. Und auch wenn seine "überblasenen" Obertöne später mit John Coltrane identifiziert werden sollten, wurde Hendersons "pointilistischer" Stil doch zunehmend als besonderer Beitrag zum Jazz und zur Geschichte der Jazzmusik empfunden. 1967 wirkte er an McCoy Tyners Album The Real McCoy mit, das als Schlüsselalbum in dessen Diskographie gilt.

In den 1970er Jahren erschienen u.a. Platten mit Titeln wie Black Is The Color (1972) oder Black Narcissus (1974), die die US-amerikanischen Rassenkonflikte jener Zeit reflektieren. Damals nahm er für das Milestone-Label eine Reihe von Alben auf, die von der Jazzkritik jedoch zwiespältig aufgenommen wurden. 1979/1980 arbeitete er u.a mit Chick Corea und Ron Carter (Mirror, Mirror) zusammen; 1985 trat er mit Carter und Al Foster im Trio auf, veröffentlicht als The State of the Tenor - Live at the Village Vanguard. 1987 folgt ein Gastspiel auf dem Jazzfestival von Genua, bei dem er von Charlie Haden und Al Foster begleitet wird.

Nach einer längeren veröffentlichungsfreien Zeit schloss Henderson einen Plattenvertrag mit dem Verve Label ab und legte dann in den 1990er Jahren die Konzeptalben Lush Life (1992), gewidmet Billy Strayhorn, dem Komponisten Duke Ellingtons, und So Near, So Far (1993), gewidmet Miles Davis, vor. Zwischen 1992 und 1996 entstand die Bigband-Produktion Shade of Shade, die von dem Saxophonisten Bob Belden geleitet wurde.

Es folgten weitere Projekte, wie 1995 die Antonio Carlos Jobim gewidmete Platte Double Rainbow mit einer brasilianischen Band um den Gitarristen Oscar Castro-Neves sowie einer amerikanischen mit Herbie Hancock. 1997 folgt eine Interpretation von George Gershwins Porgy and Bess, bei der unter anderen Tommy Flanagan, Dave Holland (Bass) und Jack DeJohnette mitspielten und Chaka Khan "Summertime" und Sting "It Ain't Necessarily So" sangen.

Joe Henderson, der sich stets als einen Lernenden und Suchenden sah, erlitt Anfang 1998 einen schweren Schlaganfall und musste seine musikalische Karriere beenden. Am 30. Juni 2001 verstarb er in San Francisco an Herzversagen.

 

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